Forschungsstelle für biographische Religionsforschung
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Dissertationsvorhaben von Sebastian Rauschner

Simulationen des Todes: Eine qualitative Studie über die Faszination von Melancholie und Todessehnsucht in (post-)adoleszenten Jugendkulturen

Betreuung:
Prof. Heinz Streib, Ph.D. / Emory Univ
Prof. Dr. Werner Helsper (Martin-Luther-Universität-Halle-Wittenberg)

Was fasziniert Jugendliche und junge Erwachsene in jugend(sub)kulturellen Szenen an Themen wie Tod, Suizid, Vergänglichkeit und Melancholie? Wie ist dieses Interesse, welches als Lebenstil etabliert wird, individuell-subjektiv, respektive kollektiv motiviert und welche biographischen Ereignisse liegen diesen Orientierungen zugrunde? Um diese Fragen zu explorieren, richtet sich das Forschungsinteresse in diesem Projekt insbesondere auf Sympathisanten der sog. Gothic- bzw. Gruftie-Szene, die als eine der rätselhaftesten Jugendkulturen gilt und über die in der interdisziplinären Jugendforschung nur sehr wenig bekannt ist. Ziel des Projektes ist es daher, diese Forschungslücke zu schließen, wobei im Unterschied zu den wenigen vorliegenden Studien zu dieser Thematik nicht das Okkultengagement, der sog. Jugendokkultismus im Mittelpunkt steht. Es geht also nicht um Fragen der Entzauberung (vgl. etwa Streib 1996; Streib/Schöll 2000), sondern darum, in differenzierten Studien zur Thanatologie, Suizidologie und Melancholieforschung einen theoretischen Rahmen z konzipieren, der es in einem weiteren Forschungsschritt erlaubt, mit Hilfe von Interviewstudien und darauf basierenden Analysen, eine Typologie zu erarbeiten und abschließend die Frage nach Indikation bzw. Kontraindikation von präventiven Maßnahmen in pädagogischen und psychologischen Settings zu diskutieren. Rechtfertigt die Affinität zur Szene der Gothics das medial evozierte Stigma (Goffman) der sog. "gefährdet-gefährlichen Jugendlichen" (vgl. Helsper 1992)? Sind entsprechende Szene-Partizipanten tatsächlich suizidal oder fungieren die o.a. Interessen als bestimmte Modi der Subjekt- bzw. Identitätsentwicklung und erfüllen somit eine bestimmte biographische Funktion? Das Forschungsdesign folgt einem "Grounded-Theory-Approach" (vgl. etwa Glaser/Strauss 1998), und rekurriert in der Phase der Interpretation insbesondere auf das Konzept einer psychoanalytisch-hermeneutischen Sozialwissenschaft, wie es insbesondere von Alfred Lorenzer (etwa 1973; 1974) etabliert und in der Nachfolge von Thomas Leithäuser und Birgit Volmerg (1988) favorisiert wurde. Damit wird nicht zuletzt auch ein Beitrag dazu geleistet, Möglichkeiten, Vorteile, aber auch die Problematik qualitativer Sozialforschung aufzuzeigen und kritische Impulse für eine weiterreichende Applikation der Psychoanalyse in den Sozialwissenschaften zu geben.

Sebastian Rauschner wird mit seinem Dissertationsvorhaben gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes.

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