Forschungsstelle für biographische Religionsforschung
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Research Project

Religiöse Kinderbilder im Prozess des Entstehens


Empirische Forschungsprojekte, die anhand von Kinderbildern die religiösen Vorstellungen von Kindern analysieren, liegen nur sehr vereinzelt vor und sind im Forschungsdesign unzureichend, weil sie die Subjektivität und Gestaltungskompetenz der Kinder nicht berücksichtigen. Es wurde selten erhoben, welchen Aufschluss der Prozess des Gestaltens von Bildern mit religiöser Thematik über die religiösen Vorstellungen des malenden Kindes und auf die je vorhandenen subjektiven Kompetenzen der Bearbeitung und Gestaltung eröffnet. Kinder sollen jedoch als Subjekte ihrer Religiosität und religiösen Entwicklung in den Blick kommen.

Das Pilotprojekt 1997-2000 ging diesen seinerzeit noch nicht bearbeiteten Fragestellungen nach: Der Malprozess von Kindern, die ein Gottesbild malen, sollte mithilfe von Videoaufzeichnungen dokumentiert und analysiert werden. Fragestellungen: Wie arbeiten Kinder mit eigenen und fremden religiösen Vorstellungen? Welche Vorlagen verarbeiten sie? Mit welcher Absicht und Deutung arbeiten sie diese ein und um? Welche Einflüsse haben religiöse Sozialisations- und Milieubedingungen und insbesondere die Medieneinflüsse auf die Gottes-Bilder der Kinder? In dieser Pilotphase des Projekts, die sowohl vom Comenius-Institut, Münster, als auch durch den Forschungs- und Innovationsfonds (FiF) der Universität Bielefeld unterstützt wurde, haben wir die Malprozesse von insgesamt 13 Vorschulkindern (fünf- bis sechsjährigen Mädchen und Jungen) mithilfe von Videoaufzeichnung dokumentiert. Aufnahmeorte waren konfessionelle und nicht-konfessionelle Kindergärten. Für die Interpretation haben wir eine Malprozessanalyse entwickelt, die Impulse aus der Sequenzanalyse aufnimmt, wie wir sie aus der Interpretation narrativer Interviews kennen. Detail für Detail wird in der Reihenfolge, in der sie hinzugemalt werden, interpretiert und jeweils Hypothesen darüber gebildet, was der Einfall über die religiösen Vorstellungen und Gestaltung des Kindes aussagt. Beachtung fanden dabei Form- und Farbrepertoire der Elemente, ebenso wie die Art und Weise der Gestaltung, der Materialwahl, der technischen Anwendung, des persönlichen Duktus. Von Bedeutung waren die Assoziationen und Assoziationsketten, die zu neuen Details in der Gestaltung führen. Da die Kinder dies oft auch im begleitenden Gespräch äußerten, spielts in diesem Interpretationsprozess auch das Transkript der Tonaufnahme eine Rolle. Über die Detailanalyse hinaus wurde die Metaphorik der ästhetischen Gestaltung des entstehenden religiösen Kinderbildes analysiert. Dabei ging es um z.B. folgende Fragestellungen: Was erinnert das Kind bei der Form- und Farbgestaltung? Welche symbolischen und mythologischen Images werden assoziiert? Analysen sind publiziert in Streib 1999; 2000.

Im Anschluß an des Pilotporjekt hat Manuela Wiedmaier in ihrem Dissertationsprojekt diese Forschung an einem größeren Sample von Grundschulkindern weiter geführt. Jeweils zwei oder drei Mädchen bzw. Jungen trafen sich mit der teilnehmend beobachtenden Forscherin zum Malen und wurden bei dem zweiten Treffen um ein Bild zum Thema "Wie ich mir Gott vorstelle" gebeten. So wurden über 25 Gruppenmalprozesse aufgezeichnet. Die miteinander malenden Zweiergruppen waren jeweils geschlechtshomogen. Es waren "natürliche Gruppen", die sich regelmäßig außerhalb der Schule trafen und sich zum Zeitpunkt der Maltermine als Freundinnen bzw. Freunde bezeichneten. Die Treffen der Kinder waren freiwillig und fanden während ihrer Freizeit statt. Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts standen jedoch nicht die Gottes-Bilder als fertige Produkte, sondern ihre mit einer Videokamera dokumentierten Entstehungsprozesse. Dadurch kamen die Entstehungsdynamik der Bilder in den Blick und ein Großteil der prozeduralen Reflexionen der malenden Kinder, die bei einer nur auf fertige Bilder bezogenen Auswertung außen vor bleiben. Detail für Detail wurde (sequenzanalytisch) die Entstehung der Bilder mit allen Veränderungen, Brüchen und Neuanfängen analysiert. Von besonderem Interesse war die Interaktion der Mädchen und Jungen. Das Bearbeiten und Aneignen jeweils assoziierter Fragmente religiöser Wissensbestände unterschiedlichster Herkunft, von religiösen Fragen und Erfahrungen der Kinder geschieht nicht isoliert, sondern im aufeinander Bezug nehmen. Dies kann auf unterschiedlichste Weise stattfinden, in einem breiten Feld zwischen Konkurrenz und Inspiration, zwischen Zusammenarbeit und Streit. Vor dem Hintergrund neuerer Theorien zur Selbstsozialisation in Peergroups konnte der Malprozess hinsichtlich seiner Funktion als gemeinsamer Bildungsprozess von befreundeten Mädchen und Jungen analysiert werden. Das Projekt wurde im Juli 2006 mit der Promotion abgeschlossen. Die Arbeit ist als Buch erschienen:

Wiedmaier, M. (2008). Wenn sich Mädchen und Jungen Gott und die Welt ausmalen. Feinanalysen filmisch dokumentierter Malprozesse. Wahrnehmende Theologie. Studien zur Erfahrung und religiösen Lebenswelt, Bd. 3, Münster: Lit Verlag.,

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